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Die Menschen von Lanzarote

Lange bevor die ersten europäischen Seeleute auf den Kanarischen Inseln ankamen, waren alle sieben Inseln bewohnt. Der Begriff Guanchen stammt aus der ausgestorbenen Sprache der Eingeborenen und setzt sich aus guan (Mensch) und che (weißer Berg) zusammen, was sich sehr wahrscheinlich auf den schneebedeckten Gipfel des Teide auf Teneriffa bezieht. Diese zunächst nur für die Bewohner Teneriffas geltende Bezeichnung erstreckte sich dann auf alle Einwohner der Kanarischen Inseln vor der Eroberung und Kolonialisierung durch die Spanier.

Die genaue Herkunft der Guanchen ist unklar. Man nimmt an, dass die Besiedlung der Inseln in Schüben erfolgte. Archäologische Funde deuten auf einen Beginn der Inbesitznahme um 3.000 v. Chr. hin. Die ersten Einwanderer kamen vermutlich auf Schilfflößen aus dem Gebiet der Westsahara. Zwischen dem 5. und 1. Jahrhundert v. Chr. kam es zu einer weiteren Besiedlungswelle. Historischen Aufzeichnungen aus Spanien zufolge waren die Guanchen weiße, hochgewachsene und kräftig gebaute Menschen mit blauen Augen und blonden Haaren. Das spricht auch für eine Besiedlung vom europäischen Raum aus. Heute sind die Lanzaroteños oder Conejeros (Kaninchenjäger) in der Mehrzahl Nachfahren der spanischen Kolonisten und nur ein minimaler Prozentsatz kann Guanchenblut in seinen Adern vorweisen.

Die Guanchen waren Höhlenbewohner, die sich mit diesem Wohnraum an das Klima der Kanarischen Inseln anpassten. Natürliche Höhlen waren eine perfekte Wohnlösung für den Sommer und Winter, aber auch ideal für die Lagerung von Vorräten. Die Menschen betrieben vor allem Viehzucht und Landwirtschaft. Die unterschiedliche Entwicklung der Stämme auf den einzelnen Inseln des kanarischen Archipels deutet darauf hin, dass die Guanchen keine Seefahrt betrieben. Die Herstellung von Tongefäßen war bekannt, nicht jedoch aber der Gebrauch einer Töpferscheibe. Kleidungsstücke wurden aus Leder gefertigt und Textilien aus Binsen geflochten.

Archäologische Funde sprechen für polytheistische Kulte. Die Guanchen verfügten über eine dem Berberischen verwandte Schriftsprache. Sie hinterließen in Stein gearbeitete Zeichen und Schnitzereien. Diese Petroglyphen sind auf den meisten Inseln der Gruppe zu finden. Über deren Bedeutung herrscht nach wie vor Unklarheit. So erinnert die Lebensweise der Guanchen in einigen Merkmalen an steinzeitliche Kulturen, doch war sie auch in vieler Hinsicht weiter entwickelt. Es existierte eine durchaus nicht primitive gesellschaftliche Struktur. In Details unterschied sie sich von Insel zu Insel, aber überall gab es eine Stammesstruktur mit einem Häuptling, den wiederum ein Ältestenrat beriet.

In den Jahrhunderten nach der spanischen Eroberung erlebten die Inseln der Kanaren verschiedene Schicksale. Lanzarote konnte nach der Entdeckung Amerikas ohne einen geeigneten Hochseehafen nicht wie Gran Canaria oder Teneriffa vom transatlantischen Verkehr profitieren. Stattdessen plünderten Piraten, auch auf Betreiben der Feinde Spaniens, wie Portugal, England und Holland, regelmäßig und gezielt die Insel. Eine weitere Bedrohung stellten einige Jahrhunderte lang auch Piraten aus Nordafrika dar.

Mindestens genauso verheerend wirkten sich die Vulkanausbrüche im 18. und 19. Jahrhundert aus. Viele Lanzaroteños sahen sich ihrer Häuser und Felder beraubt. Zunächst flohen sie auf die größeren Inseln Gran Canaria und Teneriffa, um dem Schicksal des Hungertodes zu entgehen. Dann verließen sie die Kanarischen Inseln, um ihr Glück und eine Zukunft in Argentinien, Paraguay, Venezuela, Mexiko oder Kuba zu finden. Die Auswanderung aus Lanzarote dokumentiert das Museo del Emigrante (Museum der Emigrante) in Teguise ausführlich. Heute hat Lanzarote rund 108.000 Einwohner, fast die Hälfte von ihnen lebt in der Hauptstadt Arrecife. Auch eine große Anzahl von Ausländern, vor allem aus Großbritannien und Deutschland, haben auf Lanzarote ein neues Zuhause gefunden.